Diese Woche in München 19/17

Diese Woche in München 19/17

Max Scharniggs Abgesang auf München finden gerade ziemlich viele Leute gut. Recht hat er, der weitgereiste Journalist. Nix los hier. Und Schuld ist die Stadt. Seinen Facebook-Repost garniert man mit einer saftigen persönlichen Anekdote, die virtuellen Freunde setzen ihr Like darunter und dann wird der Laptop zugeklappt. Weil die Bayern spielen. Oder es grad wieder Biergarten-Wetter ist. Weil’s morgen früh in die Berge geht. Oder man in die Uni muss. Oder der Tag doch schon wieder recht lang war und man ins Bett geht.

Wir stimmen zu: die Stadtpolitik könnte progressiver sein. Aber orientiert sie sich nicht vermutlich an den Anliegen und Wünschen der Mehrheit ihrer Bewohner? Die langweilig sind? Die keinen 7/11 brauchen und keinen Snack nach 22:00 Uhr, weil sie sowieso ab der Tagesschau auf ihrem Sofa sitzen?

“Ich will keine junge Subkultur, die ist eh überbewertet”, sagt Scharnigg. Und führt damit sein wütendes Pamphlet mit einem Satz ad absurdum. Weil die junge Subkultur in dieser Stadt der einzige Antrieb ist für das, was er sich ja so sehr wünscht: eine quirlige, eine offene, eine neugierige Stadt. In denen ausgebildete Journalisten kurzerhand eine Bar eröffnen, um der jungen Szene in bester Lage einen kreativen Ort zu bieten (Cucurucu). Ein junger Kerl kein finanzielles Wagnis scheut, um ein ganzes Viertel zu beleben (Bahnwärter Thiel und MS Utting). Prestigeträchtige Bauten wie das Forum der Technik Musik- und Sound-Idealisten beheimaten (Blitz).

Ein leerer Parkplatz mit wenig Geld zu einem aufregenden Ort kreativen Austauschs umgenutzt wird – mit einem eigenen Radio-Sender für Underground-Musik, nachdem die Ausbildungsradiostation nebenan erst kürzlich platt gemacht werden sollte (Container Collective und Radio 80000). Oder ein paar Freaks seit sieben Jahren Woche für Woche nichts blöderes zu tun haben, als die Fahne für all diese tollen Menschen und Projekte hochzuhalten.

Soll nicht heißen, dass hier alles super ist. München könnte mehr Macher und mehr Mutige vertragen. Solange aber jeder nur frustriert vor sich rumgegrantelt, wird’s hier nicht spannender. Und solange jeder sein Augustiner am liebsten nur frisch gekühlt aus der Isar trinkt, auch nicht. Hier geht was, also geht hin! Die Wochentipps…


EVENT DER WOCHE: Samstag – Courtesy in der Roten Sonne

courtesy_rotesonneDie Feminismus-Debatte in der elektronischen Musikszene (und nicht nur da) ist eine notwendige. Allerdings lässt sich beobachten, dass das neu geschaffene Bewusstsein hinsichtlich einer ausgewogenen Frauen-Quote auf Club- und Festival-Line-Ups bereits kommerziell ausgeschlachtet wird. “Women only”-Parties sind ein hübscher neuer Trend, den Promoter vielerorts erkannt haben. Mit dem faden Beigeschmack, dass die gebuchten Künstlerinnen häufig nicht mehr aufgrund ihres individuellen Styles in der Running-Order landen, sondern aufgrund des “Female-Power”-Gütesiegels. Eine entschiedene Gegnerin dieser kuratorischen Praxis ist Najaaraq Vestbirk – und hat dies mit einem ausführlichen Artikel, in dem auch viele Weggefährtinnen zu Wort kommen, erst neulich untermauert.

Die gebürtige Grönländerin mischt seit einigen Jahren als Teil der ausschließlich aus weiblichen Mitgliedern bestehenden Apeiron Crew das Underground-Nachtleben Kopenhagens auf. Darüber hinaus startete sie im vergangenen Jahr ihr eigenes Label Ectotherm, das zwischen Noise, sphärischem Techno und harten Breakbeats einen ebenso dunklen wie experimentellen Stil zur Geltung bringt.

In Kopenhagen sieht man sie mittlerweile aber momentan eher seltener. Als DJ wird sie immer gefragter und verbrachte erst kürzlich eine längere Zeit in den USA. Häufig findet man sie auch in Berlin, wo sie bereits die Tanzflächen im Berghain und in der Panorama Bar in Ekstase versetzte. Höchste Zeit also, dass sie mal nach München kommt – und zwar sinnvoll eingebettet zwischen den Sets von Tuesday Slumps P-T2 und Art Narini. Geht doch!


AUCH GUT AM DIENSTAG:

+ Nach sechs Monaten im Bahnwärter Thiel gastiert die Dublab Session im Mai in der Corleone Bar. Wie gewohnt ab 20:00 Uhr, Eintritt frei. Die erste Ausgabe startet mit Le Discoboulet, James Beyond und Tom Zwotausend.

+ Das Münchener Volkstheater widmet sich in Kooperation mit dem DOK.fest mit LEBEN – GEBRAUCHSANLEITUNG einer Neuauflage von Harun Farockis LEBEN – BRD. Ob’s wohl auch eine Gebrauchsanleitung für die Wochentipps gibt? Screening und Filmgespräch ab 21:00 Uhr.


AUCH GUT AM DONNERSTAG:

+ DENK ICH AN DEUTSCHLAND IN DER NACHT ist ein Film von Romuald Karmakar, der die hiesige (Techno-)Clublandschaft anhand von fünf Künstlern (u.a. Roman Flügel, Move D) portraitiert, zugänglich macht und einordnet. Nach mehr als 25 Jahren seit dem Fall der Berliner Mauer eine sicherlich spannende Angelegenheit. Wie beim DOK.fest üblich inklusive anschließender Diskussion. Danach Party mit DJ Acid Maria und Johanna Reinhold. Ab 20:00 Uhr im Harry Klein. Eintritt 6 €.


AUCH GUT AM FREITAG:

+ Ein kleiner, feiner Rahmen für eine hierzulande zwar unbekannte, aber deshalb keineswegs einflusslose Künstlerin. JFDR aus Island wird beispielsweise als wichtige Inspirationsquelle ihrer etwas bekannteren Landsmännin Björk angeführt. Für eine Prise Muse also ab in die Polka Bar an diesem Freitag. Um ca. 21:00 Uhr geht’s los!


AUCH GUT AM SAMSTAG:

+ VELI x VIWO gehören mittlerweile zum awi wie die “Feiert leiser”-Fahnen zum gegenüberliegendem Nachbarhaus. Diesen Samstag gibt es Unterstützung von Flo Scheuer. Wir freuen uns drauf und sind beim Rauchen heute mal extra leise.

+ Neuerdings auch regelmäßig auf Radio 80000, am besten aber immer noch live und direkt im Dreierpack hinter dem DJ-Pult: die Lagué Moin Crew. Laut eigenen Worten mit all dem, was auf deiner Discogs Wunschliste steht. Diesen Samstag wieder ab 22:00 Uhr im Unter Deck.


AUCH GUT AM SONNTAG:

+ Das Import Export will sich in Zukunft vom klassischen Clubbetrieb entfernen und seine Türen für alternative Künstler und Projekte öffnen. Diesen Sonntag wird gemeinsam gemalt und gebastelt zu entspannter Musik. Materialien sind vorhanden und der Eintritt frei.

+ Zwei andere wichtige gemeinnützige Institutionen schließen sich indes zum großen Strassenfest zusammen. Zwischen Blumen- und Müllerstrasse stellen die Glockenbachwerkstatt und Bellevue di Monaco die wohl bunteste Sause des Wochenendes auf die Beine. Musik kommt von befreundeten Künstlern wie Xavier Darcy, Demograffics, Express Brass Band, Adriano Prestel, Angela Aux und der Refugee Rap Squad. Und drum herum wird getanzt, geschlemmt, gebolzt und geratscht. Wir hoffen auf gutes Wetter!


GEWINNSPIEL: Wir verlosen 2 x 2 Gästelistenplätze für Courtesy am Samstag in der Roten Sonne. Für eine Teilnahme am Gewinnspiel schickst du uns bis Freitag, 17:00 Uhr eine Mail mit “Courtesy” als Betreff an info@munichopenminded.com. Wir drücken die Daumen!

Obacht: Mit einer Teilnahme meldest du dich automatisch für unseren Newsletter an – außer du widersprichst ausdrücklich.